Laut
Analyse des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Informatik,
ECOSTAT, können sich die ungünstigen Auswirkungen des spekulativen
Angriffs auf den Forint im Januar erst mittelfristig bemerkbar
machen. Das Bedingungssystem der Währungspolitik hat sich
bedeutend verändert, was sich in der durch die sinkenden
Zinsen induzierten Steigerung der Nachfrage sowie der unerwarteten
Verringerung der Ersparnisse zeigen kann. Die Entfaltung
der Konjunktur kann sich auch weiterhin verzögern, und
das Risiko eines Krieges gegen den Irak erhöht nur die
Unsicherheit.
In den
Vereinigten Staaten kann die Steigerung der Produktivität
kann auch in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückbleiben,
und die Wirtschaft ist immer noch durch Gleichgewichtsprobleme
gekennzeichnet. Der amerikanische Dollar ist im vergangenen
Monat im Vergleich zum Euro noch schwächer geworden, und
wegen der Verschleppung des irakischen Konflikts scheint
eine günstige Wende der Tendenz unwahrscheinlich zu sein.
Das Tempo des Wirtschaftswachstums wird 2003 die für das
Vorjahr prognostizierten 2,2 Prozent erwartungsgemäß übersteigen,
aber die vorhergesagte, um die 3 Prozent liegende Dynamik
des BIP wird für die Rolle des "Motors der Weltwirtschaft" voraussichtlich
wenig sein.
Für die
Europäische Union bleibt nach wie vor das wichtigste Problem,
die sich auf das finanzielle Gleichgewicht beziehenden,
strengen Vorschriften einzuhalten bzw. einhalten zu lassen.
Die Lockerung der Disziplin des Staatshaushalts ist nach
Deutschland jetzt auch schon in Frankreich wahrzunehmen.
Die zur Berichtigung unternommenen Anstrengungen haben
sich vorerst jedoch als ergebnislos erwiesen. Die Senkung
der Inflation hat sich in der Region Anfang des Jahres
weiter fortgesetzt, aber keine Zinssenkung ist erfolgt.
Im Interesse der Steigerung der Wirtschaft ist in der nahen
Zukunft auch eine finanzielle Lockerung vorstellbar. Das
könnte hauptsächlich die größte Wirtschaft in der Union
- Deutschland - am meisten gebrauchen, wo sich das Wachstum
der Industrieproduktion im Dezember auf 2,6 Prozent verlangsamt
hat.
Die Industrieproduktion
ist in Ungarn im Jahre 2002 lediglich um 2,6 Prozent gestiegen.
Während der Verkauf im Ausland um 5,7 Prozent gestiegen
ist, ist der Verkauf im Inland geringfügig, um 0,2 gesunken.
Im Jahre 2003 ist nur eine Verbesserung geringeren Ausmaßes
zu erwarten. Laut unserer Prognose wird der Export bei
langsamer Steigerung des Verkaufs im Inland auf dem Niveau
des Vorjahres bleiben. Alles in allem ist eine Produktionssteigerung
von 4-5 Prozent zu erwarten. Der Export ist wieder das
wichtigste Element des Wirtschaftswachstums.
Die Leistung
der Bauindustrie ist nach den 8,3 Prozent des Jahres 2001
im Jahre 2002 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Hinter
dem herausragenden Ergebnis der Branche steckt die Steigerung
im Bereich des Wohnungsbaus. In diesem Jahr rechnen wir
wegen der hohen Basis des Vorjahres mit einer Dynamik von
10-12.
In dem
während der vergangenen Monate immer günstiger gewordenen
System der Finanzbedingungen hat die Zurückschlagung des
spekulativen Angriffs auf den Forint kurzfristig zum Erfolg
geführt, aber mittelfristig wird daraus offensichtlich
ein Verlust resultieren. Infolge der Senkung des Leitzinses
sowie der Erweiterung des Zinsspanne auf +/- 3 Prozent
sind die Zinsen der Handelsbanken im Februar in dem Maße
gesunken, dass das bereits einen sich durch die Steigerung
der Nachfrage abzeichnenden Inflationsdruck signalisiert.
Die niedrigen Marktzinsen können gleichzeitig auch zur
Reduzierung der Ersparnisse der Bevölkerung führen, was
dem Finanzierungsbedarf des Staatshaushalts Schranken setzt.
Es ist ferner anzunehmen, dass der spekulative Angriff
auch die Glaubwürdigkeit der Ungarischen Nationalbank (MNB)
nicht unberührt gelassen hat. Bis Mitte Januar hat die
Notenbank die Priorität der Herabsetzung der Inflation
kontinuierlich betont und die mit dem Umtauschkurs verbundenen
Schritte abgelehnt. Bis Februar wurde dieser Standpunkt
geändert, die Erreichung des Inflationsziels des Jahres
2003 betrachtet sogar die Notenbank als nicht vertretbar,
das Ziel des Jahres 2004 ist in den Vordergrund gerückt.
Die Schritte
der Notenbank werden durch das ausländische Kapital beträchtlich
eingeschränkt, das im Januar "Schwung geholt hat". Die
MNB konnte vorerst nicht erreichen, dass annähernd 4 Milliarden
Euro zwecks Spekulation das Land verlassen, deshalb ist
der Markt durch Abwartung gekennzeichnet. Die für die gesamte
Wirtschaft entstehenden Risiken lassen nicht zu, dass die
gegebenen Zinsbedingungen lange Zeit entscheidend bleiben.
Unser Institut rechnet deshalb mit einer Einengung der
Zinsspanne in der nahen Zukunft.
Der Verbraucherpreisindex
hat im Januar erwartungsgemäß 4,7 Prozent betragen. Laut
der Prognose von Ecostat wird der 12-monatige Preisindex
im August seine Spitze erreichen, und der Preisindex wird
im Dezember erwartungsgemäß bei 1,5 Prozent liegen. Eine
bedeutende Teuerung ist - von dem irakischen Krieg abhängig,
vermutlich nur kurze Zeit - bei den Kraftstoffpreisen zu
erwarten.
Bei der
Entwicklung der Beschäftigung rechnen wir im Jahre 2003
mit keiner bedeutenden Veränderung. Die Entlassungen sowie
die Schaffung neuer Arbeitsplätze werden sich gegenseitig
ausgleichen. Bei den Fabrikschließungen rechnen wir eher
mit einer gewissen Änderung der regionalen Struktur der
Wirtschaft. Die gesellschaftliche Übereinstimmung bezüglich
der Zurückhaltung der Lohnerhöhungen stellt eine der wichtigen
Voraussetzungen für die Erreichung der diesjährigen wirtschaftspolitischen
Ziele dar.
Die fiskalische
Politik steht vor einer großen Kraftprobe, die im Haushaltsplan
gesetzten, diesjährigen Ziele können auch trotz der ungünstigen
Umstände erreicht werden. Die mit dem Beitritt zur EU verbundenen,
immer mehr zunehmenden Erwartungen werden sich vermutlich
in zunehmendem Optimismus der Akteure der Wirtschaft abzeichnen.
Progonose
von Ecostat über die Entwicklung der ungarischen
Wirtschaft im Monat Februar
(Änderungen
im Vergleich zum Vorjahr, in vergleichbaren Preisen,
in Prozenten)
|
| Kennzahlen |
2001
Istwert |
2002
Erwartung |
2003*
Prognose |
| Bruttoinlandsprodukt
(in %) |
3,8 |
3,2 |
3,7 |
| Privater
Verbrauch (in %) |
4,0 |
7,5 |
4,0 |
| Öffentlicher
Verbrauch (in %) |
0,4 |
3,5 |
3,6 |
| Akkumulation
des Anlagevermögens (in %) |
3,1 |
6,0 |
7,9 |
| Ausfuhr
(in %) |
9,1 |
7,2 |
7,1 |
| Einfuhr
(in %) |
6,2 |
8,7 |
8,9 |
| Jährlicher
Verbraucherpreisindex (in %) |
9,2 |
5,3** |
5,2 |
| Saldo
der Zahlungsbilanz (in Mrd. Euro) |
-1,2 |
-3,7 |
-3,7 |
| Direktinvestitionen
(in Mrd. Euro) |
2,3 |
1,2 |
1,8 |
| Saldo
des Staatshaushalts (in % des BIP) d) |
-4,2 |
-10,0 |
-5,1 |
| Arbeitslosenrate
(in %)a) |
5,7 |
5,9** |
5,9 |
| Entw.
des Durchschnittsverdienstes, brutto (in %) a) |
18,0 |
18,3** |
9,0 |
| Saldo
des Warenumsatzes im Außenhandel (in %) |
-3,6 |
-3,2 |
-3,3 |
| Entwicklung
der Industrieproduktion (in %) |
4,1 |
2,6** |
4,0
- 5,0 |
| Entwicklung
der Produktion der Bauindustrie |
9,9 |
20,1** |
10
- 12 |
| Volumen
des Umsatzes des Einzelhandels (in %) |
5,4 |
11,5 |
6
- 7 |
| Zinsen
für Einlagen (für zwei Wochen, MNB) a) |
9,75 |
8,5** |
6,5 |
| Zinsen
für Kredite, die den Unternehmen innerhalb
eines Jahres gewährt werden a) |
11,2 |
9,7** |
8,0 |
| Konjunkturindex
von ECOSTATb) |
47,7 |
52,5** |
|
| Immobilienbarometer
von ECOSTAT c) |
49,2 |
52,0** |
|
|
Quellen: KSH
(Statistisches Zentralamt [in Ungarn]), MNB (Ungarische
Nationalbank)
*/
Prognose von ECOSTAT im Februar 2003
**/
Istwert
Bemerkung:
a) am Jahresende
b)
TOP 100, Quartalsdurchschnitt des Vertrauens im Bereich
des Geschäfts und bei der Bevölkerung,
von KKV, 4. Quartal 2002
c)
Konjunkturindex für den Immobilienmarkt, 4. Quartal
2002
d)
Annähernd, nach der Methodik ESA95 |
|