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Wachstum und Gleichgewicht in der ungarischen Volkswirtschaft
- Juli 2005 -

Im ersten Vierteljahr 2005 hat das Bruttoinlandsprodukt um 2,9 Prozent gewachsen im Vergleich zur gleichen Periode des vorigen Jahres, während das durch die Kalenderwirkung korrigiertes Wachstum 3,5 Prozent erreicht hat. Wachstumsraten haben sich etwas gemäßigt im Vergleich zum vorigen Jahr, die Dienstleistungsbranchen haben 3,6 Prozent Wachstum erreicht, während die Produktionssektoren ihre materiallose Produktion um 1,5 Prozent erweitert haben.

Die Wachstumsstruktur der Wirtschaft hat sich im letzten Jahr nicht wesentlich geändert, der Zuwachs von Ausfuhr und Investitionen bedeutet weiterhin die Zugkraft, während der Einwohnerverbrauch sich nur mäßig erweitert. Die Verminderung des Außenbedarfs hat die Exportorientierte Wirtschaft ungünstig berührt. Das GDP hat in der Eurozone nur noch um 0,9 Prozent gewachsen im ersten Vierteljahr von 2005. Sowohl die Export- als auch die Verbrauchrate haben sich ermäßigt in der Region von gemeinsamer Währung. Die Tempodifferenz von etwa zwei Prozentpunkt zwischen den Wirtschaften Ungarns und der Eurozone ist aber weiterhin aufrechterhalten. Die heimischen Wirtschaftsindexe passen sich unserem Entwicklungsniveau bzw. der durch die internationale Konjunktur bestimmte Wachstumsbahn an.

Der heimische Verbrauch hat sich belebt in unserem Land, aber sein Tempo kann die durch das niedrigere Wachstum in der Europäischen Union bedingte Bedarfermäßigung nicht ausgleichen. Die Dynamik der Anlagenansammlung hat sich etwas vermindert, überholt aber noch immer das Zweifache des Bruttoinlandsprodukts. Der zurückgehaltene Zuwachs des Einwohnerverbrauchs hat das wirtschaftliche Wachstum zwar nicht belebt, aber auch das Außendefizit nicht erhob.

Die Wachstumsrate des Exportsumsatzes hat auf die Hälfte zurückgefallen im Vergleich zum Vorjahr. Das Außenhandelsdefizit has sich etwas vermindert, die Ausfuhrerweiterung hat in den ersten vier Monaten die Einfuhrerweiterung überstiegen, und diese Tendenz wird auf der kurzen Strecke laut Unternehmenseinschätzungen nicht ändern. Unsere Exporttätigkeit basiert auf der Ausfuhr von Produkten der Verarbeitungsindustrie. Ein wesentlicher Teil der Importprodukte wird nach Weiterverarbeitung auf europäischen Märkten verkauft. Das heißt, die Verlangsamung der Einfuhr kann auch die Ermäßigung der Ausfuhr andeuten, was aber die neuesten Bestellungsangaben nicht begründen.

Die Erweiterung der industriellen Produktion hat in den ersten Monaten zur gleichen Zeit nicht einmal ein Drittel des Tempos von ungefähr 10 Prozent des letzten Jahres erreicht.

Das Volumen der Güterausfuhr hat um 8 Prozent und der Einfuhr um 5 Prozent zugenommen im ersten Vierteljahr 2005 im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres. Die Ursache der Tempoverlangsamung in der Ausfuhr ist, dass die außenordentlich hohe Wachstumsrate des Vorjahres in den Gütergruppen Maschinen bzw. Beförderungsmittel sich nicht wiederholt hat, obwohl eine Erweiterung sogar im Verhältnis zum sehr hohen Basis erreicht werden konnte. Die Wachstumsrate von, in der Einfuhr auch eine wesentliche Rolle spielenden Maschinen bzw. Beförderungsmitteln hat bescheidener geworden, in erster Linie wegen des niedrigeren Bedarfs an, zur Produktion und zum Ausfuhr benötigten und von Einfuhr stammenden Teileinheiten und Bestandteile. Die Einfuhr von verarbeiteten Produkten wurde durch den niedrigeren Bedarf seitens der Verbraucher (Bevölkerung) vermindert. Das Volumen der auf GDP-Basis gerechneten, auch Dienstleistungen enthaltenen Ausfuhr hat um 6,2 Prozent und das Volumen der Einfuhr um 4,8 Prozent das Niveau des ersten Vierteljahres 2004 überstiegen. Nach der Modellkalkulationen von Ecostat hat das im GDP-Bilanz enthaltene Ausfuhrvolumen um 6,9 Prozent und das Einfuhrvolumen um 6,3 Prozent gestiegen, mit Hinsicht auf die gegenwärtige niedrige internationale Konjunktur.

Die Dynamik der Bauindustrie hat nicht gebrochen im ersten Vierteljahr 2005 nach ihren 2004 Leistungen; ihre Leistung hat um 11,7 Prozent gestiegen in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Die mit unserer Unionsanschließung erweiterten Infrastrukturinvestitionen bzw. die Wirkung der finanziellen Unterstützungen von der Union haben die Entwicklung der Bauindustrie offenbar in der positiven Richtung angeregt. Die Produktionserweiterung in der Bauindustrie kann in diesem Jahr die Vorjahrrate überstiegen. Mit den sich schnell und wesentlich verändernden Bedingungen schätzen wir die Produktionssteigerung in der Bauindustrie im Jahre 2005 um 7-9 Prozent.

Die Leistung der Landwirtschaft kann beinahe so hoch sein im Jahre 2005 wie die hervorragende Leistungen des Vorjahres, wenn die Leistungsausgabe mit unverändertem Preis gerechnet um 22,6 Prozent gestiegen hat. Die 2005 Aussichten in der Pflanzenproduktion sind günstig. Die Schwierigkeiten in der Viehzucht vermindern sich nicht. Nach vorherigen Meldungen wird das Produktionsvolumen nicht wesentlich niedriger in diesem Jahr, da die Disziplinverbesserung der Auszahlung von Unterstützungen steigert die Ertragfähigkeit der Bewirtschaftung. Eine wesentliche Spannungsquelle der Branche ist auch in diesem Jahr die zeitliche und sachgerechte Lagerung des voraussichtlich reichen Ertrages.

Am Anfang 2005 hat das Fremdenverkehr in Ungarn kontinuierlich zugenommen. Die kommerziellen Unterkünfte haben in den ersten vier Monaten 770 tausend ausländische Gäste empfangen, die 2,2 Millionen Nächte in Ungarn verbracht haben; um 9 Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres. Der Inlandtourismus hat in einem etwas mäßigeren Tempo gestiegen. Die kommerziellen Unterkünfte haben ihr Einkommen um 16 Prozent erhöht, Bewirtung einbegriffen. Die Verbraucherpreise im Fremdenverkehr haben in einem Jahr im Durchschnitt um 6,7 Prozent gestiegen. Mit Hinsicht darauf, dass das Interesse für die Ost- und Mittel-Europäische Region und darin für Ungarn intensiver geworden ist, rechnen wir damit, dass diese günstigen Tendenzen über das Jahr hinaus spürbar bleiben und das Einkommen vom Tourismus beziehungsweise die positive Bilanz in größerem Maße zur Verbesserung des äußeren Gleichgewichtes beitragen wird als im letzten Jahr.

Die Wachstumsrate unserer Wirtschaft im Ganzen für ausgeglichen betrachtet werden kann, während die Aussichten gemischt sind und die Entwicklung grundsätzlich davon abhängt, wie die äußeren Bedarfe sich beleben und wie wir die daraus resultierenden Möglichkeiten ausnutzen können. Wir rechnen mit der Belebung der Wirtschaftsrate in der zweiten Hälfte des Jahres, wodurch die Bruttoinlandsproduktion im Jahresdurchschnitt um 3,5 ansteigen kann.

Die Wachstumsrate der Ausfuhr wird die der Einfuhr weiterhin übersteigen, und wir müssen mit der Verschlechterung des Außengleichgewichtes im Jahre 2005 nicht rechnen. Fragen tauchen auf in erster Linie bezüglich der Finanzierung der laufenden Zahlungsbilanz. Das laufende Defizit hat 7 Milliarden Euro überstiegen im Jahre 2004. Nach unserer Prognose wird das Passivum der Zahlungsbilanz im Jahre 2005 wieder ungefähr 7 Milliarden Euro betragen.

Im Jahre 2004 hat sich die Struktur der Finanzierung wesentlich verändert, und zwar in der positiven Richtung der keine Verschuldung generierenden Posten. Nach unserem Unionsbeitritt haben die direkten ausländischen Kapitalinvestitionen spürbar gestiegen, und wir rechnen mit weiterem Wachstum im Jahre 2005. Das wegen des sich entfalteten hohen Zinsenniveau in unser Land einströmendes Portfoliokapital kann sich nach den Veränderungen "bewegen" in der zweiten Hälfte des Jahres. Während in früheren Monaten die internationale wirtschaftliche Umgebung bzw. die steigenden Zinsen die ungarische Geldmärkte bestimmt haben, wird in der zweiten Hälfte des Jahres die Aufmerksamkeit von ausländischen Investoren in erster Linie auf die heimischen wirtschaftspolitischen Prozesse gelenkt, hauptsächlich auf die Entwicklung des Haushaltsdefizits.

Die Herabwertung von Schulden beziehungsweise die Tatsache, dass das Defizit des zentralen Budgets im Juni 90 Prozent des Jahresplanes erreichte, ist durchaus eine schlechte Nachricht für Investoren. Der Mangel an Transparenz beeinflusst wesentlich die Entscheidungen von Investoren. Die methodischen Veränderungen, die Verrechnung der Autobahnfinanzierung außerhalb des Budgets weiter verderben die Übersichtlichkeit. Dazu kommen die auf der Tagesordnung stehenden Steuerveränderungen, welche die Klarsicht der Investoren noch schwieriger machen. Das Defizit kann durch kleinen Steueränderungen bzw. administrativen Maßnahmen wahrscheinlich nicht reduziert werden, und die bezüglichen Mittel sind ausgegangen.

Es ist wahrscheinlich, dass das Jahresdefizit 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen kann. Das ist günstig im Vergleich zum hohen Defizitindex des Vorjahres, ist aber höher als das im voraus geschätzte optimistische Ziel.

Das Jahr 2005 ist positiv ausgelaufen, was die Inflation betrifft. Verbraucherpreise sind im Januar viel langsamer gestiegen als erwartet. Die mäßigen Preiserhöhungen haben sich im ersten Vierteljahr fortgesetzt, während der Preisindex von 12 Monaten unter 4 Prozent blieb. Die Preiserhöhung war 3,6 Prozent im Mai, und eine langsame Steigerung ist nachfolgend zu erwarten. Nach der unbegründet scheinenden Schätzung der Notenbank kann man mit einer 3,3 Prozent Preiserhöhung rechnen in dem letzten Monat des Jahres, während nach dem analytischen Konsensus von Ecostat kann der Verbraucherindex im Dezember etwa 4 Prozent betragen, und wir rechnen im Jahresdurchschnitt mit 3,8 Prozent Preiserhöhung. Wir rechnen mit keinen wesentlichen Veränderungen bzw. Fluktuationen in den Inflationsprozessen im Jahre 2006.

Mit den langsamer werdenden EU Wachstumsraten im Jahre 2005 kann man ein niedrigeres GDP-Tempo auch in Ungarn erwarten. Die strukturellen Spannungen der Wirtschaft haben jedoch nicht zugenommen im vorigen Jahr. Zur gleichen Zeit kann aber die mit Konzeptionen unterstützte Umwandlung des Haushalts nicht verschoben werden, die auch für die beruhigende Finanzierung des hohen Außendefizits unerlässlich ist.

Die Verbrauchsdynamik der Bevölkerung fiel auf 2,2 Prozent zurück im ersten Vierteljahr von 2005, und auf dieser Weise blieb ihre Rate weiterhin unter dem Wachstumstempo des Bruttoinlandproduktes. Es unterstützt die nachhaltige Ermäßigung des Verbrauchs, dass die netto finanzielle Ersparung der Bevölkerung im letzten Jahr um 2 Prozent des GDP gestiegen ist, und dieses bescheidene Wachstum kann sich in diesem Jahr fortsetzen.

Die Marktbeteiligten weichen nur wenig ab von der, im Interesse des makroökonomischen Gleichgewichtes angemeldeten rigorosen Einkommenspolitik. Das noch immer übertriebene Wachstum der Realerhalte wird durch kein ähnliches Tempo der Verbrauchssteigerung seitens der Bevölkerung gefolgt. Die zunehmende Arbeitslosigkeit bzw. die verhältnismäßig unsicheren zukünftigen Aussichten regen die Bevölkerung zu Ersparungen an. All das kann das Defizit der Außenhandelsbilanz durch die Ermäßigung der Einfuhr von Verbrauchsmittel vermindern. Nach unseren Kalkulationen wird im Jahre 2005 der Endverbrauch der Privathaushalte im Jahresdurchschnitt um 2,6 Prozent steigern, was sich im nächsten Jahr etwas beschleunigen wird.

Um etwas weiter zu schauen kann sich die Wachstumsdynamik der Wirtschaft leicht erhöhen im Jahre 2006, und 3,9 Prozent erreichen. Das Wachstum wird weiter hinaus durch erweiterte Ausfuhr erreicht, was grundsätzlich von der Entfaltung der intentionalen Konjunktur abhängig ist. Von der Bedarfsseite kann auch die Erweiterung der Investitionen bzw. des Verbrauchs der Bevölkerung die Produktion und den heimischen Verkauf erregen. Die Dynamik unseres GDP-bedingten Außenhandelsumsatzes kann durch die mäßige Steigerung der Konjunktur um etwa 8 Prozent wachsen, während die Wachstumsraten der Ausfuhr und Einfuhr bleiben ausgeglichen.

Der Verbrauch der Bevölkerung wird mit etwa 3,1 Prozent unter der Wachstumsrate des GDP bleiben. Die Ersparungen der Bevölkerung werden nächstes Jahr mäßig weiter steigen und dazu beitragen, dass das Haushaltsdefizit bzw. ein Teil der Investitionskredite zu höherem Masse von heimischen Ressourcen finanziert werden können. All dies kann weiter reduzieren das Defizit der laufenden Zahlungsbilanz, die im Jahre 2006 voraussichtlich ungefähr 6,5 Milliarden Euro betragen wird. Die Wachstumsrate der brutto Anlagenanhäufung kann im Jahre 2006 unter der Wirkung von EU-Überweisungen 7 Prozent übersteigen. Das Haushaltsdefizit kann unter günstigen Außenbedingungen um etwa 0,5 Prozentpunkte besser werden.

Entwicklung der wichtigeren makroökonomischen Prozesse in den Jahren 2004-2006
(Wachstumsindex mit unveränderten Preisen)
 
Indexe 2004 2005 2005 2006
I. II. III. IV.
Bruttoinlandsprodukt (GDP) 4,2 2,9 3,5 3,8 3,9 3,5 3,9
Endverbrauch 1,7 2,0 2,6 2,7 3,3 2,7 3,1
Privatverbrauch 2,5 2,2 2,4 2,7 3,2 2,6 3,1
Gemeinschaftlicher Verbrauch -4,4 0,4 4,1 3,6 5,2 4,0 3,2
Brutto Anlegensanhäufung 7,9 6,8 6,8 6,1 6,1 6,4 7,1
Brutto Anhäufung 3,7 0,8 5,9 7,5 3,4 4,6 6,4
Heimische Verwendung 2,2 1,7 3,4 3,9 3,3 3,1 4,0
Ausfuhr (auf GDP-Basis) 14,9 6,2 6,5 6,7 8,3 6,9 7,6
Einfuhr (auf GDP-Basis) 11,6 4,8 6,2 6,6 7,5 6,3 7,6
Inflation 6,7 3,6 3,4 3,9 4,2 3,8 3,6
Produktionspreisveränderung 3,5 4,5 2,1 2,8 2,1 2,8 2,5
Saldo der laufenden Zahlungsbilanz (im Millionen Euro) -7513,6 -1337,8 -1542,1 -1588,2 -2502,7 -6970,9 -6589,8
Saldo der laufenden Zahlungsbilanz (im Prozent des GDP) -9,3 -6,7 -7,0 -6,3 -9,1 -7,4 -5,6
GFS-Verrechnung der Haushaltsbilanz (in Milliarden HUF) -889,0 -373,1 -464,6 -77,6 63,3 -851,9 -774,1
GFS Haushaltsbilanz (im Prozent des GDP) -4,4 -7,7 -8,4 -1,4 1,0 -3,8 -3,2
GFS-Bilanz des Haushalts (in Milliarden HUF) -1311,9 -371,1 -628,8 -152,4 31,5 -1120,9 -1088,6
GFS-Bilanz des Haushalts (im Prozent des GDP) * -6,5 -7,6 -11,4 -2,7 0,5 -5,0 -4,5
Quelle: ECOSTAT - ECO-LINE Modell, Juni 2005
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