| Im ersten Vierteljahr 2005 hat das Bruttoinlandsprodukt
um 2,9 Prozent gewachsen im Vergleich zur gleichen Periode
des vorigen Jahres, während das durch die Kalenderwirkung
korrigiertes Wachstum 3,5 Prozent erreicht hat. Wachstumsraten
haben sich etwas gemäßigt im Vergleich zum vorigen Jahr, die
Dienstleistungsbranchen haben 3,6 Prozent Wachstum erreicht,
während die Produktionssektoren ihre materiallose Produktion
um 1,5 Prozent erweitert haben.
Die Wachstumsstruktur der Wirtschaft hat sich im letzten
Jahr nicht wesentlich geändert, der Zuwachs von Ausfuhr
und Investitionen bedeutet weiterhin die Zugkraft, während
der Einwohnerverbrauch sich nur mäßig erweitert. Die Verminderung
des Außenbedarfs hat die Exportorientierte Wirtschaft ungünstig
berührt. Das GDP hat in der Eurozone nur noch um 0,9 Prozent
gewachsen im ersten Vierteljahr von 2005. Sowohl die Export-
als auch die Verbrauchrate haben sich ermäßigt in der Region
von gemeinsamer Währung. Die Tempodifferenz von etwa zwei
Prozentpunkt zwischen den Wirtschaften Ungarns und der Eurozone
ist aber weiterhin aufrechterhalten. Die heimischen Wirtschaftsindexe
passen sich unserem Entwicklungsniveau bzw. der durch die
internationale Konjunktur bestimmte Wachstumsbahn an.
Der heimische Verbrauch hat sich belebt in unserem Land,
aber sein Tempo kann die durch das niedrigere Wachstum in
der Europäischen Union bedingte Bedarfermäßigung nicht ausgleichen.
Die Dynamik der Anlagenansammlung hat sich etwas vermindert,
überholt aber noch immer das Zweifache des Bruttoinlandsprodukts.
Der zurückgehaltene Zuwachs des Einwohnerverbrauchs hat das
wirtschaftliche Wachstum zwar nicht belebt, aber auch das
Außendefizit nicht erhob.
Die Wachstumsrate des Exportsumsatzes hat auf die
Hälfte zurückgefallen im Vergleich zum Vorjahr. Das Außenhandelsdefizit
has sich etwas vermindert, die Ausfuhrerweiterung hat in den
ersten vier Monaten die Einfuhrerweiterung überstiegen, und
diese Tendenz wird auf der kurzen Strecke laut Unternehmenseinschätzungen
nicht ändern. Unsere Exporttätigkeit basiert auf der Ausfuhr
von Produkten der Verarbeitungsindustrie. Ein wesentlicher
Teil der Importprodukte wird nach Weiterverarbeitung auf europäischen
Märkten verkauft. Das heißt, die Verlangsamung der Einfuhr
kann auch die Ermäßigung der Ausfuhr andeuten, was aber die
neuesten Bestellungsangaben nicht begründen.
Die Erweiterung der industriellen Produktion hat in
den ersten Monaten zur gleichen Zeit nicht einmal ein Drittel
des Tempos von ungefähr 10 Prozent des letzten Jahres erreicht.
Das Volumen der Güterausfuhr hat um 8 Prozent und der Einfuhr
um 5 Prozent zugenommen im ersten Vierteljahr 2005 im Vergleich
zur gleichen Periode des Vorjahres. Die Ursache der Tempoverlangsamung
in der Ausfuhr ist, dass die außenordentlich hohe Wachstumsrate
des Vorjahres in den Gütergruppen Maschinen bzw. Beförderungsmittel
sich nicht wiederholt hat, obwohl eine Erweiterung sogar im
Verhältnis zum sehr hohen Basis erreicht werden konnte. Die
Wachstumsrate von, in der Einfuhr auch eine wesentliche Rolle
spielenden Maschinen bzw. Beförderungsmitteln hat bescheidener
geworden, in erster Linie wegen des niedrigeren Bedarfs an,
zur Produktion und zum Ausfuhr benötigten und von Einfuhr
stammenden Teileinheiten und Bestandteile. Die Einfuhr von
verarbeiteten Produkten wurde durch den niedrigeren Bedarf
seitens der Verbraucher (Bevölkerung) vermindert. Das Volumen
der auf GDP-Basis gerechneten, auch Dienstleistungen enthaltenen
Ausfuhr hat um 6,2 Prozent und das Volumen der Einfuhr um
4,8 Prozent das Niveau des ersten Vierteljahres 2004 überstiegen.
Nach der Modellkalkulationen von Ecostat hat das im GDP-Bilanz
enthaltene Ausfuhrvolumen um 6,9 Prozent und das Einfuhrvolumen
um 6,3 Prozent gestiegen, mit Hinsicht auf die gegenwärtige
niedrige internationale Konjunktur.
Die Dynamik der Bauindustrie hat nicht gebrochen im
ersten Vierteljahr 2005 nach ihren 2004 Leistungen; ihre Leistung
hat um 11,7 Prozent gestiegen in den ersten drei Monaten dieses
Jahres. Die mit unserer Unionsanschließung erweiterten Infrastrukturinvestitionen
bzw. die Wirkung der finanziellen Unterstützungen von der
Union haben die Entwicklung der Bauindustrie offenbar in der
positiven Richtung angeregt. Die Produktionserweiterung in
der Bauindustrie kann in diesem Jahr die Vorjahrrate überstiegen.
Mit den sich schnell und wesentlich verändernden Bedingungen
schätzen wir die Produktionssteigerung in der Bauindustrie
im Jahre 2005 um 7-9 Prozent.
Die Leistung der Landwirtschaft kann beinahe so hoch
sein im Jahre 2005 wie die hervorragende Leistungen des Vorjahres,
wenn die Leistungsausgabe mit unverändertem Preis gerechnet
um 22,6 Prozent gestiegen hat. Die 2005 Aussichten in der
Pflanzenproduktion sind günstig. Die Schwierigkeiten in der
Viehzucht vermindern sich nicht. Nach vorherigen Meldungen
wird das Produktionsvolumen nicht wesentlich niedriger in
diesem Jahr, da die Disziplinverbesserung der Auszahlung von
Unterstützungen steigert die Ertragfähigkeit der Bewirtschaftung.
Eine wesentliche Spannungsquelle der Branche ist auch in diesem
Jahr die zeitliche und sachgerechte Lagerung des voraussichtlich
reichen Ertrages.
Am Anfang 2005 hat das Fremdenverkehr in Ungarn kontinuierlich zugenommen.
Die kommerziellen Unterkünfte haben in den ersten vier Monaten
770 tausend ausländische Gäste empfangen, die 2,2 Millionen
Nächte in Ungarn verbracht haben; um 9 Prozent mehr als in
der gleichen Periode des Vorjahres. Der Inlandtourismus hat
in einem etwas mäßigeren Tempo gestiegen. Die kommerziellen
Unterkünfte haben ihr Einkommen um 16 Prozent erhöht, Bewirtung
einbegriffen. Die Verbraucherpreise im Fremdenverkehr haben
in einem Jahr im Durchschnitt um 6,7 Prozent gestiegen. Mit
Hinsicht darauf, dass das Interesse für die Ost- und Mittel-Europäische
Region und darin für Ungarn intensiver geworden ist, rechnen
wir damit, dass diese günstigen Tendenzen über das Jahr hinaus
spürbar bleiben und das Einkommen vom Tourismus beziehungsweise
die positive Bilanz in größerem Maße zur Verbesserung des
äußeren Gleichgewichtes beitragen wird als im letzten Jahr.
Die Wachstumsrate unserer Wirtschaft im Ganzen für ausgeglichen
betrachtet werden kann, während die Aussichten gemischt sind
und die Entwicklung grundsätzlich davon abhängt, wie die äußeren
Bedarfe sich beleben und wie wir die daraus resultierenden
Möglichkeiten ausnutzen können. Wir rechnen mit der Belebung
der Wirtschaftsrate in der zweiten Hälfte des Jahres, wodurch
die Bruttoinlandsproduktion im Jahresdurchschnitt um 3,5 ansteigen
kann.
Die Wachstumsrate der Ausfuhr wird die der Einfuhr weiterhin
übersteigen, und wir müssen mit der Verschlechterung des Außengleichgewichtes
im Jahre 2005 nicht rechnen. Fragen tauchen auf in erster
Linie bezüglich der Finanzierung der laufenden Zahlungsbilanz.
Das laufende Defizit hat 7 Milliarden Euro überstiegen im
Jahre 2004. Nach unserer Prognose wird das Passivum der Zahlungsbilanz
im Jahre 2005 wieder ungefähr 7 Milliarden Euro betragen.
Im Jahre 2004 hat sich die Struktur der Finanzierung wesentlich
verändert, und zwar in der positiven Richtung der keine Verschuldung
generierenden Posten. Nach unserem Unionsbeitritt haben die
direkten ausländischen Kapitalinvestitionen spürbar gestiegen,
und wir rechnen mit weiterem Wachstum im Jahre 2005. Das wegen
des sich entfalteten hohen Zinsenniveau in unser Land einströmendes
Portfoliokapital kann sich nach den Veränderungen "bewegen"
in der zweiten Hälfte des Jahres. Während in früheren Monaten
die internationale wirtschaftliche Umgebung bzw. die steigenden
Zinsen die ungarische Geldmärkte bestimmt haben, wird in der
zweiten Hälfte des Jahres die Aufmerksamkeit von ausländischen
Investoren in erster Linie auf die heimischen wirtschaftspolitischen
Prozesse gelenkt, hauptsächlich auf die Entwicklung des Haushaltsdefizits.
Die Herabwertung von Schulden beziehungsweise die Tatsache,
dass das Defizit des zentralen Budgets im Juni 90 Prozent
des Jahresplanes erreichte, ist durchaus eine schlechte Nachricht
für Investoren. Der Mangel an Transparenz beeinflusst wesentlich
die Entscheidungen von Investoren. Die methodischen Veränderungen,
die Verrechnung der Autobahnfinanzierung außerhalb des Budgets
weiter verderben die Übersichtlichkeit. Dazu kommen die auf
der Tagesordnung stehenden Steuerveränderungen, welche die
Klarsicht der Investoren noch schwieriger machen. Das Defizit
kann durch kleinen Steueränderungen bzw. administrativen Maßnahmen
wahrscheinlich nicht reduziert werden, und die bezüglichen
Mittel sind ausgegangen.
Es ist wahrscheinlich, dass das Jahresdefizit 4 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes erreichen kann. Das ist günstig im
Vergleich zum hohen Defizitindex des Vorjahres, ist aber höher
als das im voraus geschätzte optimistische Ziel.
Das Jahr 2005 ist positiv ausgelaufen, was die Inflation
betrifft. Verbraucherpreise sind im Januar viel langsamer
gestiegen als erwartet. Die mäßigen Preiserhöhungen haben
sich im ersten Vierteljahr fortgesetzt, während der Preisindex
von 12 Monaten unter 4 Prozent blieb. Die Preiserhöhung war
3,6 Prozent im Mai, und eine langsame Steigerung ist nachfolgend
zu erwarten. Nach der unbegründet scheinenden Schätzung der
Notenbank kann man mit einer 3,3 Prozent Preiserhöhung rechnen
in dem letzten Monat des Jahres, während nach dem analytischen
Konsensus von Ecostat kann der Verbraucherindex im Dezember
etwa 4 Prozent betragen, und wir rechnen im Jahresdurchschnitt
mit 3,8 Prozent Preiserhöhung. Wir rechnen mit keinen wesentlichen
Veränderungen bzw. Fluktuationen in den Inflationsprozessen
im Jahre 2006.
Mit den langsamer werdenden EU Wachstumsraten im Jahre 2005
kann man ein niedrigeres GDP-Tempo auch in Ungarn erwarten.
Die strukturellen Spannungen der Wirtschaft haben jedoch nicht
zugenommen im vorigen Jahr. Zur gleichen Zeit kann aber die
mit Konzeptionen unterstützte Umwandlung des Haushalts nicht
verschoben werden, die auch für die beruhigende Finanzierung
des hohen Außendefizits unerlässlich ist.
Die Verbrauchsdynamik der Bevölkerung fiel auf 2,2 Prozent
zurück im ersten Vierteljahr von 2005, und auf dieser Weise
blieb ihre Rate weiterhin unter dem Wachstumstempo des Bruttoinlandproduktes.
Es unterstützt die nachhaltige Ermäßigung des Verbrauchs,
dass die netto finanzielle Ersparung der Bevölkerung im letzten
Jahr um 2 Prozent des GDP gestiegen ist, und dieses bescheidene
Wachstum kann sich in diesem Jahr fortsetzen.
Die Marktbeteiligten weichen nur wenig ab von der, im Interesse
des makroökonomischen Gleichgewichtes angemeldeten rigorosen
Einkommenspolitik. Das noch immer übertriebene Wachstum der
Realerhalte wird durch kein ähnliches Tempo der Verbrauchssteigerung
seitens der Bevölkerung gefolgt. Die zunehmende Arbeitslosigkeit
bzw. die verhältnismäßig unsicheren zukünftigen Aussichten
regen die Bevölkerung zu Ersparungen an. All das kann das
Defizit der Außenhandelsbilanz durch die Ermäßigung der Einfuhr
von Verbrauchsmittel vermindern. Nach unseren Kalkulationen
wird im Jahre 2005 der Endverbrauch der Privathaushalte im
Jahresdurchschnitt um 2,6 Prozent steigern, was sich im nächsten
Jahr etwas beschleunigen wird.
Um etwas weiter zu schauen kann sich die Wachstumsdynamik
der Wirtschaft leicht erhöhen im Jahre 2006, und 3,9 Prozent
erreichen. Das Wachstum wird weiter hinaus durch erweiterte
Ausfuhr erreicht, was grundsätzlich von der Entfaltung der
intentionalen Konjunktur abhängig ist. Von der Bedarfsseite
kann auch die Erweiterung der Investitionen bzw. des Verbrauchs
der Bevölkerung die Produktion und den heimischen Verkauf
erregen. Die Dynamik unseres GDP-bedingten Außenhandelsumsatzes
kann durch die mäßige Steigerung der Konjunktur um etwa 8
Prozent wachsen, während die Wachstumsraten der Ausfuhr und
Einfuhr bleiben ausgeglichen.
Der Verbrauch der Bevölkerung wird mit etwa 3,1 Prozent unter
der Wachstumsrate des GDP bleiben. Die Ersparungen der Bevölkerung
werden nächstes Jahr mäßig weiter steigen und dazu beitragen,
dass das Haushaltsdefizit bzw. ein Teil der Investitionskredite
zu höherem Masse von heimischen Ressourcen finanziert werden
können. All dies kann weiter reduzieren das Defizit der laufenden
Zahlungsbilanz, die im Jahre 2006 voraussichtlich ungefähr
6,5 Milliarden Euro betragen wird. Die Wachstumsrate der brutto
Anlagenanhäufung kann im Jahre 2006 unter der Wirkung von
EU-Überweisungen 7 Prozent übersteigen. Das Haushaltsdefizit
kann unter günstigen Außenbedingungen um etwa 0,5 Prozentpunkte
besser werden.
Entwicklung der wichtigeren makroökonomischen
Prozesse in den Jahren 2004-2006
(Wachstumsindex mit unveränderten Preisen)
|
| Indexe |
2004 |
2005 |
2005 |
2006 |
| I. |
II. |
III. |
IV. |
| Bruttoinlandsprodukt (GDP) |
4,2 |
2,9 |
3,5 |
3,8 |
3,9 |
3,5 |
3,9 |
| Endverbrauch |
1,7 |
2,0 |
2,6 |
2,7 |
3,3 |
2,7 |
3,1 |
| Privatverbrauch |
2,5 |
2,2 |
2,4 |
2,7 |
3,2 |
2,6 |
3,1 |
| Gemeinschaftlicher Verbrauch |
-4,4 |
0,4 |
4,1 |
3,6 |
5,2 |
4,0 |
3,2 |
| Brutto Anlegensanhäufung |
7,9 |
6,8 |
6,8 |
6,1 |
6,1 |
6,4 |
7,1 |
| Brutto Anhäufung |
3,7 |
0,8 |
5,9 |
7,5 |
3,4 |
4,6 |
6,4 |
| Heimische Verwendung |
2,2 |
1,7 |
3,4 |
3,9 |
3,3 |
3,1 |
4,0 |
| Ausfuhr (auf GDP-Basis) |
14,9 |
6,2 |
6,5 |
6,7 |
8,3 |
6,9 |
7,6 |
| Einfuhr (auf GDP-Basis) |
11,6 |
4,8 |
6,2 |
6,6 |
7,5 |
6,3 |
7,6 |
| Inflation |
6,7 |
3,6 |
3,4 |
3,9 |
4,2 |
3,8 |
3,6 |
| Produktionspreisveränderung |
3,5 |
4,5 |
2,1 |
2,8 |
2,1 |
2,8 |
2,5 |
| Saldo der laufenden Zahlungsbilanz
(im Millionen Euro) |
-7513,6 |
-1337,8 |
-1542,1 |
-1588,2 |
-2502,7 |
-6970,9 |
-6589,8 |
| Saldo der laufenden Zahlungsbilanz
(im Prozent des GDP) |
-9,3 |
-6,7 |
-7,0 |
-6,3 |
-9,1 |
-7,4 |
-5,6 |
| GFS-Verrechnung der Haushaltsbilanz
(in Milliarden HUF) |
-889,0 |
-373,1 |
-464,6 |
-77,6 |
63,3 |
-851,9 |
-774,1 |
| GFS Haushaltsbilanz (im Prozent
des GDP) |
-4,4 |
-7,7 |
-8,4 |
-1,4 |
1,0 |
-3,8 |
-3,2 |
| GFS-Bilanz des Haushalts (in
Milliarden HUF) |
-1311,9 |
-371,1 |
-628,8 |
-152,4 |
31,5 |
-1120,9 |
-1088,6 |
| GFS-Bilanz des Haushalts (im
Prozent des GDP) * |
-6,5 |
-7,6 |
-11,4 |
-2,7 |
0,5 |
-5,0 |
-4,5 |
|
| Quelle: ECOSTAT - ECO-LINE Modell, Juni 2005 |
|