ECOSTAT - MONATSBERICHT Februar 2003

ECOSTAT MONATSBERICHT
- Februar 2003 -
 

Laut Analyse des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Informatik, ECOSTAT, können sich die ungünstigen Auswirkungen des spekulativen Angriffs auf den Forint im Januar erst mittelfristig bemerkbar machen. Das Bedingungssystem der Währungspolitik hat sich bedeutend verändert, was sich in der durch die sinkenden Zinsen induzierten Steigerung der Nachfrage sowie der unerwarteten Verringerung der Ersparnisse zeigen kann. Die Entfaltung der Konjunktur kann sich auch weiterhin verzögern, und das Risiko eines Krieges gegen den Irak erhöht nur die Unsicherheit.

In den Vereinigten Staaten kann die Steigerung der Produktivität kann auch in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückbleiben, und die Wirtschaft ist immer noch durch Gleichgewichtsprobleme gekennzeichnet. Der amerikanische Dollar ist im vergangenen Monat im Vergleich zum Euro noch schwächer geworden, und wegen der Verschleppung des irakischen Konflikts scheint eine günstige Wende der Tendenz unwahrscheinlich zu sein. Das Tempo des Wirtschaftswachstums wird 2003 die für das Vorjahr prognostizierten 2,2 Prozent erwartungsgemäß übersteigen, aber die vorhergesagte, um die 3 Prozent liegende Dynamik des BIP wird für die Rolle des "Motors der Weltwirtschaft" voraussichtlich wenig sein.

Für die Europäische Union bleibt nach wie vor das wichtigste Problem, die sich auf das finanzielle Gleichgewicht beziehenden, strengen Vorschriften einzuhalten bzw. einhalten zu lassen. Die Lockerung der Disziplin des Staatshaushalts ist nach Deutschland jetzt auch schon in Frankreich wahrzunehmen. Die zur Berichtigung unternommenen Anstrengungen haben sich vorerst jedoch als ergebnislos erwiesen. Die Senkung der Inflation hat sich in der Region Anfang des Jahres weiter fortgesetzt, aber keine Zinssenkung ist erfolgt. Im Interesse der Steigerung der Wirtschaft ist in der nahen Zukunft auch eine finanzielle Lockerung vorstellbar. Das könnte hauptsächlich die größte Wirtschaft in der Union - Deutschland - am meisten gebrauchen, wo sich das Wachstum der Industrieproduktion im Dezember auf 2,6 Prozent verlangsamt hat.

Die Industrieproduktion ist in Ungarn im Jahre 2002 lediglich um 2,6 Prozent gestiegen. Während der Verkauf im Ausland um 5,7 Prozent gestiegen ist, ist der Verkauf im Inland geringfügig, um 0,2 gesunken. Im Jahre 2003 ist nur eine Verbesserung geringeren Ausmaßes zu erwarten. Laut unserer Prognose wird der Export bei langsamer Steigerung des Verkaufs im Inland auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Alles in allem ist eine Produktionssteigerung von 4-5 Prozent zu erwarten. Der Export ist wieder das wichtigste Element des Wirtschaftswachstums.

Die Leistung der Bauindustrie ist nach den 8,3 Prozent des Jahres 2001 im Jahre 2002 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Hinter dem herausragenden Ergebnis der Branche steckt die Steigerung im Bereich des Wohnungsbaus. In diesem Jahr rechnen wir wegen der hohen Basis des Vorjahres mit einer Dynamik von 10-12.

In dem während der vergangenen Monate immer günstiger gewordenen System der Finanzbedingungen hat die Zurückschlagung des spekulativen Angriffs auf den Forint kurzfristig zum Erfolg geführt, aber mittelfristig wird daraus offensichtlich ein Verlust resultieren. Infolge der Senkung des Leitzinses sowie der Erweiterung des Zinsspanne auf +/- 3 Prozent sind die Zinsen der Handelsbanken im Februar in dem Maße gesunken, dass das bereits einen sich durch die Steigerung der Nachfrage abzeichnenden Inflationsdruck signalisiert. Die niedrigen Marktzinsen können gleichzeitig auch zur Reduzierung der Ersparnisse der Bevölkerung führen, was dem Finanzierungsbedarf des Staatshaushalts Schranken setzt. Es ist ferner anzunehmen, dass der spekulative Angriff auch die Glaubwürdigkeit der Ungarischen Nationalbank (MNB) nicht unberührt gelassen hat. Bis Mitte Januar hat die Notenbank die Priorität der Herabsetzung der Inflation kontinuierlich betont und die mit dem Umtauschkurs verbundenen Schritte abgelehnt. Bis Februar wurde dieser Standpunkt geändert, die Erreichung des Inflationsziels des Jahres 2003 betrachtet sogar die Notenbank als nicht vertretbar, das Ziel des Jahres 2004 ist in den Vordergrund gerückt.

Die Schritte der Notenbank werden durch das ausländische Kapital beträchtlich eingeschränkt, das im Januar "Schwung geholt hat". Die MNB konnte vorerst nicht erreichen, dass annähernd 4 Milliarden Euro zwecks Spekulation das Land verlassen, deshalb ist der Markt durch Abwartung gekennzeichnet. Die für die gesamte Wirtschaft entstehenden Risiken lassen nicht zu, dass die gegebenen Zinsbedingungen lange Zeit entscheidend bleiben. Unser Institut rechnet deshalb mit einer Einengung der Zinsspanne in der nahen Zukunft.

Der Verbraucherpreisindex hat im Januar erwartungsgemäß 4,7 Prozent betragen. Laut der Prognose von Ecostat wird der 12-monatige Preisindex im August seine Spitze erreichen, und der Preisindex wird im Dezember erwartungsgemäß bei 1,5 Prozent liegen. Eine bedeutende Teuerung ist - von dem irakischen Krieg abhängig, vermutlich nur kurze Zeit - bei den Kraftstoffpreisen zu erwarten.

Bei der Entwicklung der Beschäftigung rechnen wir im Jahre 2003 mit keiner bedeutenden Veränderung. Die Entlassungen sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze werden sich gegenseitig ausgleichen. Bei den Fabrikschließungen rechnen wir eher mit einer gewissen Änderung der regionalen Struktur der Wirtschaft. Die gesellschaftliche Übereinstimmung bezüglich der Zurückhaltung der Lohnerhöhungen stellt eine der wichtigen Voraussetzungen für die Erreichung der diesjährigen wirtschaftspolitischen Ziele dar.

Die fiskalische Politik steht vor einer großen Kraftprobe, die im Haushaltsplan gesetzten, diesjährigen Ziele können auch trotz der ungünstigen Umstände erreicht werden. Die mit dem Beitritt zur EU verbundenen, immer mehr zunehmenden Erwartungen werden sich vermutlich in zunehmendem Optimismus der Akteure der Wirtschaft abzeichnen.

 
Progonose von Ecostat über die Entwicklung der ungarischen Wirtschaft im Monat Februar
(Änderungen im Vergleich zum Vorjahr, in vergleichbaren Preisen, in Prozenten)
  
Kennzahlen 2001
Istwert
2002
Erwartung
2003*
Prognose
Bruttoinlandsprodukt (in %) 3,8 3,2 3,7
Privater Verbrauch (in %) 4,0 7,5 4,0
Öffentlicher Verbrauch (in %) 0,4 3,5 3,6
Akkumulation des Anlagevermögens (in %) 3,1 6,0 7,9
Ausfuhr (in %) 9,1 7,2 7,1
Einfuhr (in %) 6,2 8,7 8,9
Jährlicher Verbraucherpreisindex (in %) 9,2 5,3** 5,2
Saldo der Zahlungsbilanz (in Mrd. Euro) -1,2 -3,7 -3,7
Direktinvestitionen (in Mrd. Euro) 2,3 1,2 1,8
Saldo des Staatshaushalts (in % des BIP) d) -4,2 -10,0 -5,1
Arbeitslosenrate (in %)a) 5,7 5,9** 5,9
Entw. des Durchschnittsverdienstes, brutto (in %) a) 18,0 18,3** 9,0
Saldo des Warenumsatzes im Außenhandel (in %) -3,6 -3,2 -3,3
Entwicklung der Industrieproduktion (in %) 4,1 2,6** 4,0 - 5,0
Entwicklung der Produktion der Bauindustrie 9,9 20,1** 10 - 12
Volumen des Umsatzes des Einzelhandels (in %) 5,4 11,5 6 - 7
Zinsen für Einlagen (für zwei Wochen, MNB) a) 9,75 8,5** 6,5
Zinsen für Kredite, die den Unternehmen innerhalb eines Jahres gewährt werden a) 11,2 9,7** 8,0
Konjunkturindex von ECOSTATb) 47,7 52,5**   
Immobilienbarometer von ECOSTAT c) 49,2 52,0**   
Quellen: KSH (Statistisches Zentralamt [in Ungarn]), MNB (Ungarische Nationalbank)
*/ Prognose von ECOSTAT im Februar 2003
**/ Istwert
Bemerkung:
a) am Jahresende
b) TOP 100, Quartalsdurchschnitt des Vertrauens im Bereich des Geschäfts und bei der Bevölkerung,
    von KKV, 4. Quartal 2002
c) Konjunkturindex für den Immobilienmarkt, 4. Quartal 2002
d) Annähernd, nach der Methodik ESA95

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